Emotionale Belastung gehört zu den stärksten biologischen Stressoren des Menschen. Akuter wie chronischer emotionaler Stress aktiviert das autonome Nervensystem, verändert die neuroendokrine Regulation und beeinflusst direkt die Funktion des vaskulären Endothels. In den letzten Jahren rückt dabei zunehmend ein Konzept in den Fokus der integrativen Medizin: die Herz-Hirn-Kohärenz – das funktionelle Zusammenspiel zwischen kardiovaskulärer Regulation, autonomem Nervensystem und zentralnervösen Stressverarbeitungszentren.
Unter Stress dominieren sympathische Aktivität, erhöhte Katecholaminspiegel sowie Veränderungen der Herzratenvariabilität. Diese physiologischen Veränderungen führen zu einer Reduktion der Herz-Hirn-Kohärenz, was sich nicht nur neuropsychologisch, sondern auch mikrohämodynamisch bemerkbar macht. Insbesondere die Mikrozirkulation reagiert sensibel auf diese Dysregulation: Vasokonstriktion der Arteriolen, reduzierte endothelial vermittelte NO-Freisetzung und eine Verschiebung des Gleichgewichts zwischen pro- und antiinflammatorischen Signalwegen können zu einer funktionellen Perfusionsstörung der Gewebe führen.
Aus Sicht der modernen Gefäßmedizin gilt die Mikrozirkulation daher zunehmend als Schlüsselregulator der systemischen Homöostase – sowohl für die Regulation des Blutdrucks als auch für Stoffwechsel-, Immun- und Stressreaktionen.
Referentin: Dr. med. Magdalena Gameiro, Fachärztin für Allgemeinmedizin


